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Lage der Betriebe bleibt herausfordernd – Handwerk Schleswig-Holstein setzt auf Dialog – Podiumsdiskussion mit Verkehrs- und Arbeitsstaatssekretärin Susanne Henckel

23. März 2026

Kiel – Das Sondervermögen muss in die Infrastruktur fließen und darf nicht in Haushaltslöchern versickern. Gerade im Bau und bei Infrastrukturprojekten, an deren Umsetzung das Handwerk maßgeblich beteiligt ist, werden weiterhin enorme Investitionsdefizite verzeichnet. Dort und an vielen anderen Stellen fehlt es an Mitteln, nicht an Bedarf. 

Handwerksunternehmer stehen heute von vielen Seiten unter Handlungsdruck. Die demographische Entwicklung kommt mit voller Wucht bei den Betrieben an. Auch immer mehr Handwerksunternehmer und Betriebsleiter kommen ins Rentenalter.

Die Gewinnung von Fachkräften und des Berufsnachwuchses sowie die Suche nach geeigneten Nachfolgern für die Unternehmer wird zu einer Herausforderung, die über die Zukunft von Unternehmen entscheiden kann. So stellt sich das Thema Betriebsnachfolge in den kommenden fünf Jahren in jedem dritten schleswig-holsteinischen Handwerksbetrieb.

Präsident Björn Felder führte hierzu weiter aus: „Das ist nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sondern auch eine Gefahr für die Versorgung der Menschen vor Ort – wenn kein Bäcker, kein Elektriker, kein Heizungsbauer mehr zu finden ist.“

Hinzu komme eine Bürokratie, die viele Betriebe an die Belastungsgrenze bringe. Formulare, Nachweise, Dokumentationspflichten – das Handwerk ersticke in Papier, während die Digitalisierung der Verwaltungsverfahren in der Fläche nur in Trippelschritten vorankomme.

Felder weiter: „Wer jeden Tag auf der Baustelle oder in der Werkstatt steht, braucht einfache, digitale Verfahren statt Formular‑Burnout.“

Dabei seien ihm drei Punkte besonders wichtig. Erstens brauche es eine Berufsorientierung an allen Schulformen. Wer Abwanderung und Fachkräftemangel in den Regionen stoppen wolle, müsse das Handwerk für junge Menschen auch in den Schulen sichtbar und attraktiv machen.

Zum Zweiten brauche es einen echten Bürokratieabbau. Die Bundesländer müssen sich im Bundesrat und in Europa für wenige, klare und digital handhabbare Rahmenbedingungen einsetzen mit der Priorität auf zusätzliche Investitionen. Gleichzeitig müssen aber auch die regionalen Unterschiede ernst genommen werden, weil die Situation eines Handwerksbetriebs im ländlichen Raum anders sei, als in den Städten.

In der sich anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Verkehrs- und Arbeitsstaatssekretärin Susanne Henckel mit der Präsidentin des Kfz-Verbandes Schleswig-Holstein, Nina Eskildsen und dem Hauptgeschäftsführer des Baugewerbeverbandes Jan Christian Janßen über das, was nun zu tun ist.

Aus dem Sondervermögen Infrastruktur der Bundesregierung stehen Schleswig-Holstein insgesamt 3,4 Milliarden Euro für Investitionen zur Verfügung. Im Oktober hat das Parlament beschlossen, dass 2,1 Mrd. Euro (62,5 Prozent) an die Kommunen und 1,3 Mrd. Euro an das Land gehen. Seinerzeit hatte der Ministerpräsident angekündigt, dass nur Investitionen vorzunehmen sind, die in den nächsten fünf Jahren die wirtschaftliche Stärke Schleswig-Holsteins wiederherstellen, mit dem klaren Ziel, die 1,3 Milliarden Euro des Landes bis 2030 zu investieren.

Staatssekretärin Susanne Henckel erklärte, dass die Landesregierung und auch ihr Ministerium unter schwierigen Haushaltsbedingungen diese einmalige Chance nutzen wolle, die schleswig-holsteinischen Verkehrswege auf ein Niveau zu bringen, das der Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein verdiene. Dazu gehören die Landesstraßen genauso wie der ÖPNV. Als besonders erfreulich bezeichnete sie die Fortschritte beim Weiterbau der Autobahn A 20, der Hinterlandanbindung und auch der B5.

Sie appellierte, dass das Handwerk allen Grund dazu habe, positiv in die Zukunft zu blicken. Das Land wird das Handwerk in Schleswig-Holstein beim Thema Fachkräftesicherung weiter wie bisher auch unterstützen. Als Beispiele nannte sie die Praktikumsprämie, die Meistergründungsprämie und Weiterbildungsinitiativen im Bereich der Meisterausbildung.

Nina Eskildsen betonte, dass die Ansiedlung von Unternehmen wie Lyten an der Westküste wichtig für die Zukunft seien.

In der eigenen Branche war 2025 ein Jahr der Herausforderungen, aber auch der Vorbereitung. 2026 solle es wieder für die E-Mobilität, für die Betriebe und für die Fachkräfte vorwärtsgehen. Das Kfz-Gewerbe in Schleswig-Holstein stehe bereit, um Menschen und Wirtschaft mobil zu halten. Das neue E-Mobilitäts-Förderprogramm rufe aber eine gemischte Reaktion bei den Betrieben hervor. Das große Problem sei, dass die Prämie angekündigt sei, aber noch nicht abrufbar. Das bedeute, dass Privatpersonen mit dem Kauf von E-Autos abwarten würden. Die Ladeinfrastruktur werde aber zunehmend besser.

Jan Christian Janßen appellierte an die Gäste, dass die Strukturprobleme eigentlich von allen erkannt sind. Umso wichtiger sei es deshalb, ins Handeln zu kommen. Man stehe in der politischen Mitte gemeinsam in der Verantwortung, sich Extremismus entgegenzustellen. Dafür sei es aber nötig, die von allen erkannten Reformen umzusetzen. Das Sondervermögen sei eine große Chance, aber nur, wenn das Geld tatsächlich zusätzlich investiert werde, statt zwischen Haushalten verschoben zu werden. Beim Wohnungsbau sei besonders dringlich, Gebäudetyp E schnell aufzusetzen. Ein Gesetz Ende 2026 sei zu spät. Das gleiche gelte auch für den Straßenbau. Die Politik müsse auf eine schnelle Vergabe drängen.