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Sommerempfang des Handwerks Schleswig-Holstein: „Handwerk fördern – Mittelstand stärken“

26. August 2026

Kiel, 26. August 2026 – Das Handwerk in Schleswig-Holstein ist stabil, steht aber vor großen wirtschaftlichen und strukturellen Herausforderungen. Beim Sommerempfang des Handwerks Schleswig-Holstein e. V. am 26. August 2026 standen deshalb die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands, Bürokratieabbau, Fachkräftesicherung und die Chancen von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz (KI) im Mittelpunkt.

„Der Mittelstand ist kein Teilbereich unserer Wirtschaft – er ist ihr Kern und der Standortvorteil Deutschlands“, betonte Präsident Björn Felder. Zwar verfügten die meisten Handwerksbetriebe weiterhin über eine auskömmliche Auftragslage, zugleich meldet fast jeder dritte Betrieb rückläufige Umsätze und gesunkene Auftragsbestände. Hohe Energiekosten, steigende Lohnnebenkosten und zunehmende Bürokratie belasteten insbesondere personalintensive Handwerksbetriebe. „Wir brauchen einen Staat, der als echter Dienstleister funktioniert: schnell, digital und effizient“, stellte Felder fest.

Mit Blick auf die Landtagswahl 2027 hat das Handwerk Schleswig-Holstein fünf zentrale Forderungen an die Landespolitik formuliert: Wettbewerb stärken und Bürokratie abbauen, Ausbildung und Fachkräfte sichern, mehr Bauen, Flächen und Wohnen ermöglichen, die Transformation gemeinsam mit dem Handwerk gestalten sowie Infrastruktur und öffentliche Investitionen sichern.

Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen unterstrich die Bedeutung einer höheren Wettbewerbsfähigkeit. Bürokratieabbau müsse auf allen staatlichen Ebenen gelingen, denn ein erheblicher Teil der Belastungen entstehe auf Bundes- und europäischer Ebene. Zugleich verwies er auf die Chancen der Digitalisierung und die Unterstützungsmöglichkeiten des Landes für Betriebe. Beim Fachkräftemangel müsse Schleswig-Holstein schneller und attraktiver werden. Das Welcome Center Schleswig-Holstein könne Unternehmen bereits bei der Gewinnung internationaler Fachkräfte unterstützen. „Unser gemeinsames Ziel muss es sein, bei der Fachkräfteeinwanderung schneller zu werden“, so Madsen. Er habe die Vision, dass der Claim bei der Fachkräfteeinwanderung sein müsste: Dein Job ist nur 96 Stunden entfernt. Da gebe es aber auf allen Ebenen noch eine Menge zu tun.

Positiv bewertet das Handwerk die Entwicklung bei der beruflichen Ausbildung: Im ersten Halbjahr 2026 wurden deutlich mehr neue Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr. Eine aktuelle Studie zeigt zudem, dass neun von zehn Auszubildenden mit ihrer Ausbildung im Betrieb zufrieden sind. Um diese Stärke auszubauen, seien moderne Ausbildungsstätten, gute Berufsorientierung, bessere Mobilität und bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende erforderlich. Beim geplanten Azubiwerk sieht das Handwerk noch Gesprächsbedarf, um angesichts der angespannten Haushaltslage Doppelstrukturen zu vermeiden. Minister Madsen zeigte sich auch hier für Gespräche offen.

Wie Innovation und Digitalisierung bereits heute im Handwerk wirken, zeigte Ulrike Wielatt von der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH). Praxisbeispiele reichten von digitaler Planung und Fertigung über ERP-Systeme und digitales Aufmaß bis zum Einsatz von AR/VR in der Ausbildung. Auch KI-Potenziale und die Erschließung ausländischer Märkte wurden vorgestellt. „Moderne Technologien sind längst im Handwerk angekommen“, machte Wielatt deutlich.

Unter dem Leitmotiv „Handwerk fördern – Mittelstand stärken“ machte der Sommerempfang deutlich: Das Handwerk ist bereit, die Zukunft Schleswig-Holsteins aktiv mitzugestalten. Dafür braucht es jedoch verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und einen starken Schulterschluss zwischen Politik und Wirtschaft.