Kiel – Das Sondervermögen muss in die Infrastruktur fließen und darf nicht in Haushaltslöchern versickern. Gerade im Bau und bei Infrastrukturprojekten, an deren Umsetzung das Handwerk maßgeblich beteiligt ist, werden weiterhin enorme Investitionsdefizite verzeichnet. Dort und an vielen anderen Stellen fehlt es an Mitteln, nicht an Bedarf.

Handwerksunternehmer stehen heute von vielen Seiten unter Handlungsdruck. Die demographische Entwicklung kommt mit voller Wucht bei den Betrieben an. Auch immer mehr Handwerksunternehmer und Betriebsleiter kommen ins Rentenalter.
Die Gewinnung von Fachkräften und des Berufsnachwuchses sowie die Suche nach geeigneten Nachfolgern für die Unternehmer wird zu einer Herausforderung, die über die Zukunft von Unternehmen entscheiden kann. So stellt sich das Thema Betriebsnachfolge in den kommenden fünf Jahren in jedem dritten schleswig-holsteinischen Handwerksbetrieb.
Präsident Björn Felder führte hierzu weiter aus: „Das ist nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sondern auch eine Gefahr für die Versorgung der Menschen vor Ort – wenn kein Bäcker, kein Elektriker, kein Heizungsbauer mehr zu finden ist.“
Hinzu komme eine Bürokratie, die viele Betriebe an die Belastungsgrenze bringe. Formulare, Nachweise, Dokumentationspflichten – das Handwerk ersticke in Papier, während die Digitalisierung der Verwaltungsverfahren in der Fläche nur in Trippelschritten vorankomme.
Felder weiter: „Wer jeden Tag auf der Baustelle oder in der Werkstatt steht, braucht einfache, digitale Verfahren statt Formular‑Burnout.“
Dabei seien ihm drei Punkte besonders wichtig. Erstens brauche es eine Berufsorientierung an allen Schulformen. Wer Abwanderung und Fachkräftemangel in den Regionen stoppen wolle, müsse das Handwerk für junge Menschen auch in den Schulen sichtbar und attraktiv machen.
Zum Zweiten brauche es einen echten Bürokratieabbau. Die Bundesländer müssen sich im Bundesrat und in Europa für wenige, klare und digital handhabbare Rahmenbedingungen einsetzen mit der Priorität auf zusätzliche Investitionen. Gleichzeitig müssen aber auch die regionalen Unterschiede ernst genommen werden, weil die Situation eines Handwerksbetriebs im ländlichen Raum anders sei, als in den Städten.


